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Aufarbeitung der Saison 2005/06
beim TSV 1860 München
Manni Hartl atmete auf. Endlich! Der Schlußpfiff im Spiel gegen
Saarbrücken ertönte. Somit stand fest: 1860 bleibt für
ein weiteres Jahr zweitklassig. Die Saison, die wie ein Märchen begann,
endete fast in einer Katastrophe. Statt einen der drei Aufstiegsplätze
zur Bundesliga zu belegen, kam man über viele Wochen der Regionalliga
näher, in der sich bereits die eigene zweite Mannschaft gegen den
Abstieg stemmte.
Manni Hartl hatte sich oft genug mit den anderen Mitgliedern seines Fanclubs
den Kopf über die Gründe des plötzlichen Niedergangs zerbrochen.
Den Beginn dieser Pannenserie hingegen hatten sie schnell ausgemacht,
wobei im Fanclub Uneinigkeit darüber herrschte, ob die Heimniederlage
im Herbst gegen Unterhaching der Auslöser war oder der angebliche
Dopingskandal um den Spieler Vucicevic.
Manni war sich sicher, daß die Schuldigen sowohl in der Führungsriege
der Löwen, als auch unter den Spielern zu suchen waren, die oftmals
lustlos und demotiviert über den Platz krochen. Niemand im Fanclub
konnte verstehen, wie leichtfertig ein aussichtsreicher Aufstiegskandidat
seine Chancen verspielte und sich ohne Gegenwehr seinem Schicksal ergab.
Für Manni stand fest, daß eine verfehlte Einkaufspolitik die
Hauptursache für die verpatzte Saison war. Nachdem 1860 letztes Jahr
ganz knapp im Aufstiegsrennen gescheitert war, stand für die Vereinsoberen
fest, daß diese Spieler wohl den Ansprüchen auf einen Spitzenplatz
in der 2.Liga absolut genügen müßten. Garniert wurde die
Mannschaft lediglich mit dem angeblichen Goalgetter Stefan Reisinger,
der den Beweis seiner Fähigkeiten bis zum heutigen Tage schuldig
blieb und Heimkehrer Torben Hoffmann, der das Abwehrbollwerk der letzten
Saison noch erheblich verstärken sollte.
Doch Manni will sich nicht beklagen. Zu lange schon ist er Fan eines Vereins,
der oft in Skandale verwickelt war und sprichwörtlich mehrfach am
Boden lag. Natürlich wumt es ihn, daß ausgerechnet der FC Bayern
mit dem Kauf der Arena-Anteile die Existenz der Löwen in der 2.Liga
sicherte. Doch wenn der Nachbar den Sechzgern nicht unter die Arme gegriffen
hätte, wäre der Verein wieder in die Bayernliga abgestiegen,
wo die Gegner Ismaning und Großbardorf heißen und nicht mehr
Köln oder SC Freiburg.
Schade findet er nur, daß die Bemühungen und die Leidenschaft
der Fans vom Verein in der Vergangenheit nicht gewürdigt wurden.
Spruchbänder frustrierter Fans wurden im Stadion vom eifrigen Ordnungsdienst
unmittelbar wieder entfernt und auch sonst trat man bei 1860 wenig in
den Dialog mit den Fans. Es scheint, als wenn die Fans wirklich nur dann
interessant für den Verein sind, wenn vor Saisonbeginn neue Rekordumsätze
von Dauerkarten vermeldet werden sollen oder ein Familienvater mindestens
ein Monatsgehalt in die Artikel des Fanshops investiert.
Aber was will man von einem Verein auch erwarten, der es nicht für
nötig hält, sich bei seinen treuen Mitgliedern wie Manni für
15 Jahre Vereinszugehörigkeit zumindest mit einem kurzen Anschreiben
zu bedanken, sondern einfach gar nicht reagiert? Und so allmählich
begreift Manni, daß es bis zur bronzenen Mitgliedsnadel wohl noch
ein sehr weiter Weg sein wird.
Die Zukunftsaussichten bei 1860 sind nicht gerade rosig: Geknebelt von
einem wirtschaftlichen Korsett, welches sich Lizenzauflagen nennt, sind
Verpflichtungen namhafter Spieler nahezu ausgeschlossen. Ob Spieler der
2. Mannschaft soviel Potential besitzen, um die sportlichen Lücken
des Profiteams aufzufüllen, bleibt fraglich. Ebenso, ob es die Verantwortlichen
von Sechzig schaffen, alterne Stars an die Grünwalder Str. zu lotsen
oder unzufriedene Bankdrücker von Bundesligisten.
Die Zeiten allerdings, in denen sich an der Grünwalder Str. Weltstars
wie Abedi Pele, Icke Häßler oder Davor Suker die Klinke in
die Hand drückten, sind wohl unwiderruflich vorbei.
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