| Weltmeister goes Playmobil! Deutschland - China am 04.März in Fürth | ||||
04. März 2004, Playmobilstadion Fürth Die Weltmeister von 2003 kommen nach Fürth. Ich war ja noch nie beim Frauenfußball. Und muss zugeben, dass ich zu den altmodischen Menschen gehöre, die der Meinung sind, Fußball sei Männersache. Nach den Länderspielenttäuschungen vom letzten Jahr auf Island und auf Schalke jedoch machte ich mich auf die Reise, um zu schauen, was die deutschen Weltmeistermädels so zu bieten haben. Fürth also.. Ein Stadion, benannt nach den Spielzeugmännchen, die ich schon als Kind doof fand, weil die ihre steifen Plastikbeinchen nicht unabhängig voneinander bewegen konnten. Aber dann ein Stadion nach ihnen benennen. Das ist Fürth. Was fällt uns sonst noch ein zu Fürth? Ein großer Versandhauskatalog ist hier beheimatet und nebendran liegt die ungeliebte Nachbarstadt mit den berühmten Bratwürsten, deren Club am kommenden Wochenende zum Derby kommt. Zu diesem Anlass haben sich die Fürther etwas besonderes einfallen lassen: eine Karte zum Derby bekommt man nur, wenn man dazu noch eine Karte für das nächste Spiel gegen Oberhausen kauft. Verständlicherweise wird der eine oder andere Clubberer wohl zu Hause bleiben, da selbst bei ebay die Nachfrage nach Fürth-Oberhausen nicht so berauschend sein dürfte... Aber genug davon und zurück ins Playmobilstadtion. |
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| Zu Tina Theune-Meyer (ich bitte um Verzeihung, wenn ich den Namen wieder falsch geschrieben habe, aber ich bin sicher, das ist auch Kollegen schon passiert..) und ihren Mädels. Das Stadion ist immerhin mit fast 13,000 Menschen gefüllt, auffällig viele Frauen und Kinder sind anwesend, böse Zungen behaupten, das hoerte man schon an dem Jubeln und den Anfeuerungsrufen, die um einige Frequenzen höher und schriller ausfielen als bei den meisten Spielen hier in Fürth. Das stimmt natürlich so nicht. Aber irgendwie anders war es schon. Schon im Sonderbus zum Stadion war es ungewöhnlich still, niemand sang, niemand pöbelte und ich war schon etwas unsicher, ob ich nicht doch im falschen Bus sitze. Ich war aber richtig! Schnell noch eine Karte gekauft, und flugs einen Platz gefunden, wo ich von einheimischen Fans verhöhnt wurde, da ich anscheinend die Einzige war, die zum regulären Preis eine Karte erworben hatte, denn die Sportvereine und sogar ein schwedisches Möbelhaus hatten noch an den beiden Tagen vor dem Spiel übrige Tickets verschenkt oder zumindest fast veschenkt. | ||||
Bald waren wir aber alle Freunde, so wie sich das bei einem richtigen Fussballspiel gehört. Schließlich sind wir alle aus dem gleichen Grund hier, alle freuen sich wohlwollend über das Interesse am Frauenfussball und alle haben wir kalte Füße. Das Spiel beginnt, die Champions legen los und wir sind optimistisch. Eindeutig überlegen meistern "unsre Mädels" die erste Halbzeit, allein ein Tor würde dem Spiel noch gut tun. Schliesslich erinnern wir uns noch an spektakuläre Siege vor nicht allzulanger Zeit. Die zweite Hälfte beginnt nach zwei fränkischen Bratwürsten im Brötchen und einem Glühwein zum aufwärmen. Und plötzlich fällt mir doch ein Unterschied auf zum herkömmlichen Männerfussball. Während in Island die Mannschaft bösartig verhöhnt wurde und die Fans im Spiel gegen Frankreich bereits lange vor Ende des Spiels unter lautem Protest das Stadion verließen, stieg die Stimmung proportional zu dem Nachlassen der Mannschaft. Die anfeuernden Rufe und Gesänge wurden lauter und die La Ola Wellen nahmen kein Ende. Leider vergebens. Das 0:1 kam min der 79. Minute und trotz Spannung und Hoffen bis zum Schluss mussten die Meister ihre erste Niederlage seit langem einstecken. Die Verärgerung der Fans hielt sich in Grenzen, man hatte ein faires Spiel gesehen und einen zugegebenermaßen verdienten Sieg der Chinesinnen, bejubelt von doch relativ zahlreichen Chinesen mit wehenden Fahnen. Wer die chinesische Truppe übrigens noch einmal sehen will, der kann das am Sonntag in Schwandorf tun, dort spielen sie gegen Tschechien. |
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| Mein Vorschlag, den Frauenfussball noch populärer zu machen, indem man die hervorragenden sportlichen Leistungen auch optisch noch attraktiver macht, habe ich mich kaum getraut auszusprechen. Schliesslich erntete Fifa-Chef Blatter schon vor mir arge Schelte und nur ungern werde ich als frauenfeindliche Chauvinistin beschimpft. Aber mal ehrlich, etwas engere Trikots & Shorts..!? Ich meine, auch bei Männern schauen wir doch nicht NUR auf den Sport, oder? Und keiner würde die Aussage als männerfeindlich bezeichnen, dass die Hemdchen der italienischen Azzurri körperbetonter geschnitten sind und damit dazu beitragen, dass immer mehr Frauen sich für den internationalen Fussball interessieren!? OK, OK, ich will nicht herumreiten auf Äusserlichkeiten. Aber eine gesamtdeutsche Uniformenreform, angefangen bei der Polizei, bis zum Frauenfussball würde doch nicht schaden...? Ist doch wahr... Egal. Am Morgen nach dem Spiel wollte ich noch einmal nachlesen, was die Presse zu sagen hat. Leider musste ich feststellen, dass das Spiel in der Tagespresse überhaupt keine Beachtung fand. Auf der Internetseite eines großen deutschen Fussballmagazins stolperte ich über diverse Formel 1 - Infos und Berichte, bevor ich, schon muede vom scrollen, eine kleine Notiz entdeckte, dass die deutsche Frauennationalmannschaft nciht viel Glück hatte in Fürth. Eine Regionalzeitung erachtete es sogar als wichtiger, dass der Hackl-Schorsch die Wok-WM (???) gewonnen habe. Ich freue mich jedenfalls schon auf das nächste Spiel, auf Olympia, und vor allem auf den Sommer, denn dann wird man für ein halbes Jahr nichts vom Hacklschorsch hören und im Stadion nicht mehr frieren. |
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