Neulich in der Commerzbankarena
 

6. März 2005, Waldstadion, Eintracht Frankfurt - RW Essen (1:0)

„Gehen wir morgen in die Commerzbankarena?“ fragte ich meinen Kumpel Peter am Samstag und kam mir dabei reichlich blöde vor. Dabei wollte ich es nur einmal lautmalerisch ausprobieren. Commerzbankarena. Die Commerzbankarena im Wald. Im Commerzwald. Nun ja, egal, wie das Stadion in Zukunft heissen wird, viel wird sich nicht ändern. Oder vielleicht doch? Warum darf ein Stadion eigentlich nicht mehr Stadion heissen? Arena. In einer Arena schlugen sich Gladiatoren, später vergnügten sich Clowns und Löwen in Arenen. Aber das war altes Rom und Zirkus und kein Fußball!

Letzte Woche wurde in der FAZ eine Fotomontage der fertigen Arena gezeigt. Es leuchtete in Goldgelb. Im Commerzbankgelb eben, so wie der Commerzbanktower etwas weiter nördlich. Das Stadion, ach nein, die Arena, wird in voller Beleuchtung einem überdimensionalen Goldstück gleichen. Aber was wahrscheinlich die wenigsten wissen: Wenn gerade keine Fussballspiele oder Gladiatorenkämpfe in der Commerzbankarena ausgetragen werden, soll sie als Geldspeicher genutzt werden. Und Dagobert Duck übernimmt die Schirmherrschaft. Das nenn ich Multifunktionalität! Überall wird es Geldautomaten geben. Und in die Drehkreuze kann man nicht nur die Tickets einschieben, sondern auch EC-und Kreditkarten, und dann kommen auf der anderen Seite Kontoauszüge heraus, die Dir signalisieren, dass Du Dir die Dauerkarte gar nicht leisten konntest, und Du wirst daran erinnert, dass sie Dir das Telefon abgestellt haben werden und den Strom, wenn Du nach dem Spiel nach Hause kommst.

Diese und andere schlimme Phantasien gingen mir durch den Kopf, während ich eilig über den gefrorenen Waldweg lief. Wird ein Heimspielbesuch jemals wieder sein wie früher? Zwischen den kahlen Bäumen erscheinen endlich betonblass die Umrisse meines Lieblingsstadions. Natürlich. Für uns wird es immer das Waldstadion bleiben. Aber mit einem metallischen Nachgeschmack wird man das Wort aussprechen, das zumindest prophezeihe ich heute. Ob man sich an meine Worte erinnern wird?

Endlich im Block sind die pessimistischen Gedanken verflogen. Das Waldstadion ist und bleibt das schönste, die SGE bleibt die SGE, und jetzt zählen nur noch die nächsten neunzig Minuten. Dass auch diese heute so schmerzhaft werden, hatte ich allerdings nicht erwartet. Rot-weiss Essen. Fast zwanzig Punkte trennen sie von uns. Leichtes Spiel, sollte man meinen, aber woran auch immer es lag, wir sollten lange zittern. Und das lag nicht nur an den gefühlten minus zehn Grad auf dem zugigen Oberrang, ca. 20m ü.R (überm Rasen). Eigentlich fing ja auch alles gut an. Kaum hatten wir das Stadion betreten (wir waren mal wieder so spät dran, dass wir meine Lieblingshymne verpasst haben, eigentlich schon ein schlechtes Zeichen), fiel auch schon das erste (haha, das erste ist gut!) Tor! Da denkt man, prima, ein frühes Tor tut dem Spiel immer gut. Klar, ein Tor ist ein Tor, aber die drei Punkte (und im Nachhinein sind sie es allein, die zählen) haben wir jedenfalls einzig und alleine Markus Pröll zu verdanken. Danke Markus! Wir sind stolz auf dich! Und nun bleibt zu hoffen, dass Ari bald wieder für uns da ist!

Zum Aufwärmen gab es dann später heißen Apfelwein. Apropos Apfelwein. Ist es eigentlich schon einmal jemandem aufgefallen, dass die Farbe des Apfelweins der Farbe des Geldes verdächtig ähnelt? Und hätte man nicht doch auf den anonymen Eintrachtforumschreiber hören sollen, der eine Kelterei als Sponsor vorschlug und den dazu passenden Namen „Bembeltempel“? Das hätte sicher größere Akzeptanz hervorgerufen.

Und >>HIER gehts zur Fotogalerie zum Spiel!