Neun
Punkte
21.4.09 Eintracht Frankfurt - Borussia Mönchenglaudbach 4:1
Ha, wenn das mal kein Bilderbuchsamstag war, auch wenn mit grauverhangenem
Himmel anstatt strahlendem Sonnenschein, den man sich für einen
Bilderbuchsamstag wünschen könnte, aber sonst hatte dieser
Samstag eigentlich alles, was man sich wünschen kann, und zwar
ein Heimspiel, und drei Punkte. Also eigentlich neun Punkte, neun
Punkte Abstand auf den Relegationsplatz, da darf man sich mal wieder
ordentlich freuen. Dachte ich zumindest!
Warum
sollte man sich auch nicht freuen, wenn man gerade dabei ist, ein
Heimspiel zu gewinnen und auf dem besten Wege, mit dem Abstiegskampf
wirklich nichts mehr zu tun zu haben? Nun, ich sollte eines besserern
belehrt werden.
Seit
einigen Jahren sitze ich jetzt in Block 32B, schöne Plätze,
gute Sicht, Nähe zur Westkurve, und umgeben von anderen Dauerkarteninhabern,
also Gleichgesinnten, wie ich damals leichtfertig annahm. Ha, naives
Mädchen, höre ich da schon wieder, Eintrachtfan ist keinesfalls
gleich Eintrachtfan. Anfangs fand ich meine Nachbarschaft in der Reihe
hinter uns noch ein bisschen amüsant, fühlte ich mich doch
oft wie mitten in einem Badesalz-Sketch. Aber schon bald merkte ich,
dass diese Damen und Herrn anscheinend mit allen Mitteln versuchten,
mir den Spaß an Stadionbesuchen zu vermiesen. Sie sind einfach
gestrickt, und ihre nicht gerade komplexen Gedankengänge verkünden
sie regelmäßig mit limitiertem Vokabular. Die Aussagen
sind einfach, kurz zusammengefasst: Sie mögen unseren Trainer
nicht. Dies wird bereits bei der Aufstellung kundgetan, wenn der Nachname
unsers Friedhelms nicht mehr Funkel sondern Enddarm ist, oder zumindest
ein Synonym desselben. Originell. Desweiteren spielt Meier (Meiäh
Meiäh Meiähhh!) ähnlich gut Fußball wie meine
(oder eine beliebige) Großmutter, und der Scheißtscheche,
Scheißgrieche, (oder je nach Belieben andere Nicht-deutsche
Scheißspieler) soll wieder dahin gehen, wo er hingehört,
genau wie die zahlreichen jüdischen Schiedsrichter, die uns immer
verpfeifen, dafür sollte man Caio am besten 10x klonen und auf
11 Positionen einsetzen, dann wäre uns die Meisterschaft noch
dieses Jahr sicher. Falls sich jemand beim Lesen wundert, ja, auch
ich wundere mich, denn schließlich dachte ich doch, dass ich
inmitten von meiner netten Eintrachtfamilie säße.
Die
Grenze zur Absurdität wurde spätestens an diesem Bilderbuchsamstag
überschritten, und zwar spätestent nach Meiers Treffer zum
1:0. Bei einem Blick über die Schulter sah ich in schockierte
Gesichter: mit zusammengepressten Lippen und heruntergezogenen Mundwinkeln
standen sie da und beteiligten sich nicht etwa am allgemeinen freudigen
Torjubel, nein, meine ungeliebtes Nachbargrüppchen verliess geschlossen
aus Protest den Block. Ihr größtes Feindbild auf dem Platz
liefert nicht nur ein ganz passables Spiel ab, sondern erziehlt auch
noch den Führungstreffer. Unglaublich. Leider war der Protest
nur temporär, und so waren nach dem 2:0 wieder alle Plätze
hinter mir besetzt, um lauthals Funkels Rauswurf und Caios Einwechslung
zu fordern. Zu meinem Entsetzen kamen diese Rufe nicht nur aus der
gewohnten Reihe hinter mir, sondern von hier und dort. Ich war irritiert,
dachte ich doch, dass die meisten Stadionbesucher ihre Lieblingsmannschaft
unterstützten, und nicht die Spieler auf dem Platz, die uns gerade
den geforderten Sieg schenken, damit beleidigen, dass ein kleiner
dicker brasilianischer Ersatzspieler angefordert wird. Das nenne ich
ignorant gegenüber Russ und Pröll und Fink und Meier (jawoll)
und den anderen, die sich langsam sicher auch fragen, was das soll.
Schon
lange suche ich nach einem Weg, mir von diesen Dummköpfen nicht
meine Stadionbesuche madig machen zu lassen. Irgendwann fällt
mir hoffentlich ein Weg ein, sie von ihren Plätzen zu vergrämen.
Endgültig würde ich sie wahrscheinlich nur bei einem Abstieg
loswerden. Ich darf es natürlich nicht aussprechen, ..., aber
würde das nicht eine Zweitligasaison in der Tat fast attraktiv
erscheinen lassen? Aber natürlich ist keine solche Saison nicht
in Sicht, zum Glück nicht, ich weiß ich weiß! Und
so werde ich mich schon bald wieder ärgern müssen, und damit
weitermachen, jeden Ballkontakt von unserem Alex Meier lauthals zu
loben, bis ich wahrscheinlich irgendwann krankenhausreif geschlagen
werde. Aber egal. Ich freue mich jedenfalls über unsere neun
Punkte und auf viele Tore von Meier Meier Meier, und auf den Tag,
an dem der letzte Dummkopf begreift, dass es eine gute Sache ist,
wenn die eigene Lieblingsmannschaft ein Spiel gewinnt, egal wer Trainer
ist, und egal wer die Tore macht!!