Bundesligawinterpausenhallenmethadonprogramm
in der Kölnarena.

Der letzte Bundesligaspieltag ist schon wieder 18 Tage her und der nächste Spieltag ist am 28.1.06. Am 21.Dez. qualifizierte sich die Eintracht für das DFB Pokal-Viertelfinale, das am 25.1. stattfinden wird. Das macht eine Netto-Fussballpause von 35 Tagen. Nach Weihnachtsvöllerei und Silvesterböllerei regt sich also verständlicherweise plötzlich die Ungeduld.
Und so entscheide ich mich kurzfristig, am 2. Januar einen kleinen Ausflug in die Karnevalsmetropole Köln zu unternehmen, um zum ersten mal einem Hallenfussballturnier, dem sogenannten "Rheinlandcup" beizuwohnen, ausgetragen in der wegen ihrer originellen Architektur auch fröhlich-rheinisch "Henkelmännchen" genannten Kölnarena.
Hallenfussball zählt wohl eher zu den Sportarten, die als solche nicht wirklich geliebt oder anerkannt werden. Ähnlich stelle ich es mir vor, wenn Anhänger des Tennissports über Tischtennis oder Golfer über Minigolf reden.

Aber nein, da irre ich mich aber gewaltig, denn vor der Halle treffen wir eigentlich die gleichen eingefleischten Fans wie vor jedem beliebigen Freiluftstadion, nur eben ein paar weniger. Interessant mutet die Zusammenstellung an, die sich die Veranstalter für das Turnier ausdachten, und die dabei Wert darauf legten, Teams "aus der Region" einzuladen und damit dem Turnier einen Derbycharakter zu verleihen. Ein Blick in den Atlas bestätigt meine Vermutung: Von den teilnehmenden Mannschaften (RW Essen, MSV Duisburg, Allemannia Aachen, FC Köln, Fortuna Düsseldorf und Eintracht Frankfurt) mochte eine zumindest geographisch gesehen nicht so recht zu den anderen passen. Aber egal, anscheinend hat Gladbach abgesagt und da Herr Funkel einer der wenigen ausdrücklichen Befürworter des Fussballs auf Kunstrasen ist, (der übrigens in den kurzen Spielpausen stets mit Teppichklebeband geflickt wird), ist unsere Eintracht also nachgerutscht.

Mit den Regeln des Hallenfussballs hatte ich mich bisher nicht wirklich vertraut gemacht. Und so war meine Beobachtungsgabe gefordert. Auf dem kleinen Platz spielen jeweils fünf Spieler einer Mannschaft, die jedoch im fliegenden Wechsel und beliebig oft ein-und ausgewechselt werden können, Abseits gibts nicht, Ecken auch nicht.
Die Begrenzung der Bande stellt eine weitere Herausforderung an die Spieler. Und hier sind die Spieler, die sich nachts in düsteren Bars rumtreiben und bis in die Puppen Billard spielen durchaus im Vorteil. Vielleicht reicht es auch aus, sich regelmässig auf Eurosport die Billard-Wettkampfe anzuschauen, und sich damit das Einfallswinkel-gleich-Ausfallswinkel-Konzept anzueignen.
So kann man den Gegner ganz einfach austricksen, wenn dieser einem genialen Pass im Weg steht, und der Ball gelangt im Idealfall über mehrere Banden im Tor wie die Acht im Loch. Ganz einfach.
Auch sonst sind die zwei mal zehn Minuten Spielchen sehr kurzweilig. In mehreren munteren Spielchen liess unsere Eintracht souverän alle Gegner hinter sich und holte sich schliesslich nach dem Sieg uber Aachen im Finale den ersten Pokal der Saison.
Und es sah so aus, als hätten die Jungs mächtig Spass gehabt dabei. Auch wenn sie sich in blaubeleuchteten, parkgaragenähnlichen Gängen warmlaufen mussten, so machten sie wieder einmal einen äusserst gut gelaunten Eindruck.
Und besondere Erwähnung findet hier natürlich der junge Überraschungsheld des Tages, Dominik Stroh-Engel, der als Hallenturniertorschützenkönig noch eine Extra-Trophäe bekam.
Ebenso wie Oka Nikolov, der als bester Torhüter ausgezeichnet wurde. Zusätzlich zum Handschuhpokal bekam er auch noch einen echten Kölner Karnevalsnarrenschal. Na, ob er sich darüber gefreut hat??

Nachdem einige völlig überflüssige Ausschreitungen am Rande zwischen den Fangruppen, das Werfen von Feuerwekskörpern, die Räumung eines ganzen Blocks und einige Festnahmen das Turnier überschatteten, gab es am Ende noch eine versöhnliche Szene, als sich die Duisburger Fans ihrer alten Frankfurter Fanfreundschaft erinnerten und nach ihrem Ausscheiden in den SGE Block zogen, um die Eintracht lautstark im Finale mit zu unterstützen.
Die Kölner Karnevalslieder waren zu diesem Zeitpunkt natürlich schon lange verstummt.

Hallenturniere machen als Bundesligamethadonprogramm eigentlich richtig Spass. Trotzdem werde ich es jetzt nicht übertreiben, mir die noch folgenden Turniere in Oldenburg und Frankfurt sparen, und die restlichen 22 Tage lieber damit verbringen, das ebenfalls sehr kurzweilige Transfer-und Trainertheater zu verfolgen, und mich den üblichen Prognosen und Hochrechnungen für die Rückrunde widmen.

 

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