Presseschau
Klar war ich am Sonntag
im Waldstadion.
Saisonauftakt
gegen Leverkusen, das lässt man sich nicht entgehen, mit einer gehörigen Portion
Optimismus im Blut, die sich über die letzten sechs Wochen angestaut hatte.
Nun ja, und jetzt sitze ich hier, die Feder in der Hand und vor mir ein leeres
Blatt Papier und ich muss feststellen, dass sich in mir ein unangenehmes Phänomen
breitmacht: Die Schreibblockade!
Was gibt es zu schreiben? Stammtischparolen? Trosttiraden? Rosa Torwarthemdchen??
Nein. Aber was macht man in so einem Fall? Man geht gucken, was die anderen
so schreiben, also nehme ich mir die Montagszeitungen vor.
Nun, über unsere Eintracht gibt es gar nicht viel
zu lesen. Und der Spieltag? Großartig heißt es, viele Tore. Und schon sprießen
von überallher die Spekulationen über deutsche Meister und sichere Absteiger.
Hier entböde ich mich nicht, mitzuziehen, denn erstens vergewissere ich mich
mit einem schnellen Blick auf den Kalender, dass wir tatsächlich erst den zweiten
Spieltag hinter uns haben, zweitens ist meine hessische Fanbrille inzwischen
bekannt und drittens habe ich auch in Nürnberg viele Freunde.
Aber wichtig scheinen
sowieso ganz andere Dinge zu sein: Da wird viel über eine junge Dame geschrieben,
die nicht nur mit Victoria Beckham verglichen wird, sondern auch bei einem bekannten
deutschen Musiksender moderiert und in Hamburg so gerne shoppen geht. Verunsichert
schaue ich noch mal auf die Überschrift, ja tatsächlich, ich befinde mich im
Sportteil.
Dann fällt mein Blick auf ein Foto eines alten französischen Bekannten
und ich werde neugierig. Sollte ich vielleicht einen spannenden Neuzugang verpasst
haben? Nein, der kleine Artikel hat nichts mit der Bundesliga zu tun. Herr Zidane,
das wissen wir ja schon seit ein paar Tagen, kehrt zurück zur Equipe tricolore,
um Frankreich zu retten. Aber seine Motivation kennen wir erst seit heute.
Er
hat eine Stimme gehört, lese ich, die ihn rief und der er folgen musste. Soso,
denke ich nach meiner oberflächlichen Zeitungsrecherche. Nicht nur ich leide
als unter Schreibblockade. Und so lege ich getrost meinen Stift zur Seite, schenke
mir ein Glas französischen Rotwein ein und warte auf Stimmen.
PS: Zum Glück
litt wenigstens unsere Fotografin am Sonntag nicht unter einer Fotoblockade!