| Vier Siege in drei Spielen... wir sind wieder da! | |||||
| 5. November 2005, Waldstadion Frankfurt, Eintracht - Bielefeld 3:0 Irgendwie sind wir ja momentan alle etwas durch den Wind. So auch der WDR 2 Radiomoderator, der gestern unserer Eintracht vier Siege in nur drei Spielen zuschrieb! Ich meine, irgendwie hat er ja auch recht. Denn die Niederlage in Bremen zählen wir nicht mit, dafür zählt der Sieg im Pokalspiel doppelt, und schon sind wir wieder dabei: drei Spiele, vier Siege! Und schon klappt es auch wieder mit den Prognosen und Hochrechnungen. Zählen wir die Tore der letzten beiden Heimspiele (neun!) und multiplizieren sie mit der noch ausstehenden Anzahl an Heimspielen (11), dann sind das neunundneunzig Tore, und, äh, dreiunddreißig Punkte, ach egal, Kopfrechnen war noch nie meine Stärke. Auf alle Fälle sind wir alle wieder gut gelaunt und optimistisch. Und das war ja nicht immer so. Meinen persönlichen Tiefpunkt hatte ich ja erst kürzlich, genauer gesagt am 1. Oktober bei der Niederlage gegen Schalke. An diesem schwarzen Tag, an dem ich die folgenschwere Entscheidung traf, meine Karten für das folgende Pokalspiel zu verkaufen. Mit den Worten "das muss ich mir ja nicht noch mal antun" bot ich die Karten zu Dumpingpreisen an, beim Heimspiel gegen Köln begann ich meine Entscheidung zu bezweifeln, und an jenem 26. Oktober saß ich verzweifelt zu Hause und wäre ich Dagobert Duck, hätte ich wohl meinen Hut gegessen. OK, jeder macht mal einen Fehler, und ich streue Asche auf mein Haupt und lasse mich mal wieder ohne Widerspruch als Erfolgsfan bezeichnen. Aber zurück ins Waldstadion, wir schreiben Samstag, den 5. November, und ich bin natürlich wieder dabei. Meine Hausaufgaben erledige ich schon am Vormittag. Die Presseschau beim Frühstück im Cafe wird dominiert von einem Thema. Das Dach. Ein schönes Thema, gebe ich zu, umso überraschter bin ich zu lesen, dass entschieden wurde, das Dach an diesem Nachmittag zu schließen. Ich schaue in den blauen Himmel, ich blättere zur Wettervorhersage und wundere mich. Aber nicht das Wetter führte zu dieser Entscheidung, lese ich, vielmehr hat man nach den letzten Spielen beschlossen, dass unter geschlossenem Dach, eine lautere, "dichtere" Stimmung herrscht, die unsere Lieblingsmannschaft zu ungeahnten Höhenflügen ermuntert. Wenige Stunden später betrete ich das Stadion, das Dach ist offen. Eigentlich sollte dies ja auch nicht weiter verwunderlich sein, an einem solch lauen sonnigen Novembertag, aber Blocknachbarn klären mich auf, dies sei eine Schiedsrichterentscheidung gewesen. Wieder etwas gelernt, wusste ich bis heute noch nicht, dass auch die Dachentscheidungen dem Unparteiischen zufallen. Da mein Dauerkartennachbar heute ausfällt, bin ich heute in Begleitung einer Stadionnovizin. Klar komme sie mit, sagte sie am Vorabend des Bielefeldspiels, das Stadion soll ja sehr schön sein. Etwas nervös führe ich sie zu unseren Plätzen, erkläre ihr ein paar ungeschriebene Stadionregeln, und bald lernt sie wie von selbst die Riten und Rituale. Nach ca 20 Minuten bemerkt sie, dass so ein Spiel live im Stadion viel unspektakulärer und langsamer aussieht als im Fernsehen. Ich kläre sie auf: Es liegt weder an unseren Plätzen noch am Livedabeisein. Es liegt einfach und alleine daran, dass die beiden Mannschaften unten auf dem Rasen einfach nicht ins Spiel finden. Fast schon habe ich ein schlechtes Gewissen, sie mitgeschleppt zu haben, doch es dauert nicht lange, bis das erste Tor fällt. Unsere Eintracht geht noch vor der Halbzeitpause durch einen direkt verwandelten Freistoß von Copado in Führung. In der zweiten Hälfte merkt man den Jungs unten an, dass Friedhelm Funkel in der Kabine ein paar Worte mit ihnen geredet hat. Plötzlich ist wieder Tempo im Spiel, und Meier entscheidet das Spiel souverän mit zwei weiteren Toren. Ausgerechnet Meier. Der selbe Meier, bei dem noch zu Anfang der Saison bei jedem Ballbesitz ein missmutiges Raunen durch meinen Block ging. Und es ist auch der selbe Meier, der manchmal etwas unbeholfen und ungelenk wirkte, wenn er sich manchmal engagiert, aber eben etwas hilflos einmischte. Dieser Meier war in den letzten Spielen an so vielen Toren beteiligt, dass ich ihn dank meinen bescheidenen Rechenkünsten schon ganz kühn als kommenden Torschützenkönig sehe. Nun, vielleicht wollen wir nicht zu weit vorpreschen, aber die Entscheidung, ihn als Spieler des Tages zu küren, war sicher mehr als gerechtfertigt. Apropos Alex Meier. Als Gast im Sportkalender, der jetzt nicht mehr so heisst, sehen wir ihn am Sonntagabend abend einmal ganz privat. Der schüchterne Zweiundzwanzigjährige besticht durch seine Bescheidenheit, über Nationalmannschaftsnominierungen will er nicht reden, auch wenn Löw ihn als "Perspektivspieler" bezeichnet (was soll das eingentlich bedeuten?), aber auch duch seine Ehrlichkeit, als er geradeheraus erzählt, dass er seit seiner frühen Kindheit Bayernfan war. Gut, Kindern können wir das verzeihen, aber dass er noch jetzt stets will, dass Bayern Meister wird, dass haben wir jetzt einfach mal überhört. Ich meine, das wollen wir doch nicht hören. Schließlich singen wir doch so gerne unsere eigenen Lieder von der Meisterschaft und dem Uefapokal, und nach Berlin wollen wir doch auch. Mensch Alex, Realität gibts doch in der Tagesschau genug!! Auf alle Fälle dürfen wir wieder optimistisch in die Zukunft blicken. Copado und Meier, das scheint nun eine zuverlässige Kombination zu sein, und immer wieder ist es ein wunderbarer Anblick, wenn sich der flinke Kleine und der große Schlaksige in die Arme fallen! Einzig Du-Ri Cha hat uns ein ganz kleines bisschen enttäuscht. Fast schon rechnet man damit, dass er nach seiner Einwechslung zum Tor stürmt und zur Torbilanz beitragen wird. Nun, er gab sich alle Mühe, aber leider war er wohl etwas zu übereifrig oder ehrgeizig, und so blieb es eben beim 3:0. Und da gibt es auch gar nichts dran zu meckern. Besonders gefreut habe ich mich über den Kommentar meiner Begleiterin, die nach dem Spiel zugab, so etwas wie Stolz gespürt zu haben nach dem Spiel. Es war sicher nicht ihr letzter Besuch im Waldstadion, und ich hoffe natürlich, dass es noch lange dauern wird, bis auch sie die Schmerzen kennelernen wird, mit denen ein echter Eintrachtfan immer mal wieder leben muss. |
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Besonderen Dank auch an den anonymen Bielefelder, der gemäß des F&T Mottos "1,2,3, Oberkörper frei" fröhlich für uns posierte... |
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